Karlas Geschichten

 

Karla und die Jungbullen  

Karla war gerade etwa 7 Monate alt. In der Welpenstunde hatte sie gerade eine ältere Rotti-Hündin runtergeputzt, sie fühlte sich wie Herkules persönlich und pubertierte so fröhlich vor sich hin. Auf gut Deutsch: Sie war frech wie Rotz zu der Zeit und hörte nicht für 5 Pfennig.

Es war im Herbst und einige Felder waren frisch abgeerntet. Ich war allein mit Alfund Karla unterwegs und wollte mal neue Wege gehen. So ganz wörtlich genommen . Also gingen wir über ein abgeerntetes Stoppelfeld querfeld ein auf eine Kuhwiese zu. Dachte ich jedenfalls.

Gemeinerweise standen auf der Kuhwiese zu dieser Zeit die Jungbullen. Die waren etwa genausoübermütig und pubertär wie Klein-Karla. Gott sei Ddank waren sie aber hinter E-Draht gut weggesperrt. Direkt hinter diesem Draht ging ein Abhang steil abwärts.

Karla kannte Kühe schon von der Wiese hinter unserem Haus. Dort hatte sie striktes Schimpf- und Jagdverbot, schließlich will man es sich mit dem Nachbarn auf keinen Fall verderben. Jetzt aber lief sie ca. 5 Meter voraus und damit – man beachte die puberätre Phase –absolut außerhalb meines Einflussbereiches. Jetzt oder nie dachte sie wohl und raste unter dem E-Draht durch, den Abhang runter und auf die Bullen los. Die hatten bis dahin in Ruhe gefressen und sich wohl so vor sich hin gelangweilt.

Karla kam ihnen zur Abwechselung wohl ganz gelegen. Die Bullen rannten, was die Beine hergaben (schließlich waren es Mastbullen) in die andere Richtung. Karla war begeistert.

Das ging so lange gut, bis es den Bullen zu bunt wurde. Also ca. 10 Sekunden. Dann sahen die Bullen sich an, blieben stehen, drehten sich um und rannten in gleichem Tempo auf Karla zu.

Das war selbst Karla zu viel. Die drehte ebenfalls bei, rannte den Abhang hoch, unter dem E-Draht durch und versteckte sich hinter mir. Ich wiederum hätte mich gern hinter irgendwas versteckt, stand aber verlassen mit zwei Hunden auf weiter Flur und betete um viel Strom im Draht.

Ich??? Hab‘ gar nichts gemacht!!

Gott sei Dank war den Bullen aber wohl der Abhang zu steil und sie bleiben stehen.  Karla – wieder ganz oben auf, aber auf ihrer Seite des Zauns – preschte wieder vor und verbellte die Bullen.

Das war der Moment, in dem ich beschlossen habe, dass der Hund die Kommandos „hier“, „aus“ und „ruhig“ lernen muss.

Übrigens: Alles was gescheckt ist, wurde seit dieser Geschichte von Karla mit Verachtung gestraft.

 

Karla war im Sommer 2004 bei uns eingezogen. Im Nu hatte sie uns alle um den Finger gewickelt und den beiden vierbeinigen Jungs gezeigt, wie sie mit ihr umzugehen hätten.

 Mit Bekannten beschlossen wir, die VPG-VDH-Meisterschaften in der Nähe von Bielefeld zu besuchen. D. H. zweistündige Fahrt im Anhänger mit 2 Übernachtungen im Wohnwagen. Kein Problem, Karla war ja handfest und fuhr problemlos mit Alf zusammen in der Anhängerbox.

Es war einer dieser richtigen Sommer, d. h. heiß und trocken. Der Anhänger wurde im Schatten geparkt, dort drin konnten es die Hunde gut aushalten. Die Bekannten hatten ebenfalls einen Boxerwelpen, eine Woche älter. Für Karlas Belustigung war also gesorgt.

Karla übernahm auch gleich die Führung in dem Duo. Und das war durchaus wörtlich zu verstehen. Abends, eigentlich zu tode müde getobt, ließen wir die beiden Süßen im Wohnwagen, um draußen zu grillen. Eine Viertelstunde ging es gut. Wegen der Hitze stand hinten im Heck das Fenster auf. Kein Problem dachten wir, die beiden Mädels lagen ja auf ihrer Decke auf dem Fußboden. Dachten wir, dann machte es „Plumps“ dann noch mal „Plopp“ und zwei kleine Welpen schüttelten sich und schwänzelten Richtung Grill, Karla natürlich voran. (Man bemerke: Richtung Grill, nicht Richtung Frauchen!!!)

Wie sie es geschafft haben mit ihren kurzen Beinchen auf die Polster zu kommen und von da aus dem Fenster war komplett unerklärlich. Wir tippen auf Räuberleiter.

Neben uns stand ein Wohnmobil mit einem Harlekin-Doggen-Rüden und ganz netten Besitzern. Ich schätze, so ca. 1 m Schulterhöhe. Die Dogge, nicht die Besitzer. Ein wunderschönes Tier, aber schon so Richtung Kalb. Frauchen erzählte auch gleich die Geschichte, wie der Rüde ihr mal das Nasenbein gebrochen hätte. Aus Versehen versteht sich, beim Pfötchen geben.

Just for fun haben wir dann mal die beiden Mädchen zu der Dogge gelassen. Die fand die beiden auch ganz niedlich und war supernett zu ihnen. Karla stand unerschrocken auf Auge-Pfoten-Höhe zwischen den Vorderbeinen der Dogge. Ich glaube, sie hat gar nicht gemerkt, dass die Riesenbeine oben in einem Hund endeten. Bis die Dogge sich zu Klein-Karla runterbeugte und an ihr schnüffeln wollte. Das fand Karla unverschämt und langte mit den kurzen, aber spitzen Welpenzähnchen zu. Leider vergaß sie das loslassen…. und so stürzte sie an diesem Tag das zweite Mal aus einem Meter Höhe.

Die Dogge hatte eine blutige Nase und verkroch sich den Rest des Abends im Wohnmobil.

 

Karla kam – wie schon erwähnt – mitten im schönsten Sommer zu uns. Den ersten Tag verbrachte sie damit, uns alle einzunorden und die Dinge zu Hause zu ihrer Zufriedenheit zu ordnen.

Am nächsten Tag wollten wir dann morgens alle zusammen Gassi gehen. Nicht zu weit, Karla war ja noch klein und Chico schon sehr alt, aber so ein paar Schritte ins Feld sollten es schon sein.

War auch alles kein Problem, Karla trotte die 50 Meter ins Feld brav neben mir her und führte mich an der Leine. Kaum hatten wir die Hunde von der Leine befreit, kam uns der erste Hund entgegen, ein älterer Dackel mit Ball-Tick. Damals konnten wir noch gefahrlos Hunden begegnen – Chico war ja schon 16 Jahre und Alf sehr sozial und gut erzogen (der ist schon so geboren worden, das lag nicht an uns).

Karla spielte kurz mit dem Dackel und seinem Bällchen. Sie waren genau auf Augenhöhe, Karla aber nur halb so lang. Dann hatte der ältere Dackelherr keine Lust mehr und forderte seinen Ball zurück, er wollte nach Hause gehen. Karla drehte sich blitzschnell um (sie war ganz genau 8 Wochen und 1 Tag alt) und ging dem Dackel an die Kehle. Das Dackelfrauchen ging wutschnaubend dazwischen, nahm den Dackel auf den Arm und entfernte sich Richtung Heimat. Karla hatte ihre erste positive Bestätigung erhalten: Ich muss nur zubeißen, dann darf ich das Spielzeug behalten. Super. Das hat sie ihr ganzes Leben lang nicht vergessen.

Nach dieser Episode konnten wir fremden Hunden leider nicht mehr gefahrlos begegnen. Karla war Chefin des Dorfes und war bereit diesen Titel im Schwergewicht gegen jeden anderen Hund zu verteidigen.

 

Als Karla bei uns einzog, wollten wir natürlich alles richtig machen. Auch nachts. Deshalb sollte Karla in einer großen Flugbox schlafen, die direkt neben meinem Bett stand.

Das empfand unsere Neuerwerbung leider als Zumutung. Wir stopften sie also in die Box (nachdem Spielzeug und sogar Leckerli nichts halfen) und waren der Überzeugung, wir hätten doch eine Katze gekauft. Karla stemmte sich links und rechts mit den Pfötchen gegen den Rand und wand sich wie ein Aal. Aber wir waren sehr motiviert und irgendwann saß sie dann in der Box. Genau sie saß und schrie. Nicht mal ab und zu oder verzweifelt. Nein, vor lauter Protest schrie sie ununterbrochen im höchsten Mezzosopran. Aber wir waren ja motiviert!!! Also hielten wir durch.

Nach gefühlten 4 Stunden war sie dann endlich eingeschlafen. Um eine Stunde später wieder aufzuwachen. Klar, sie war ja noch klein und musste mal. Ich nahm sie mit blutunterlaufen Augen (meine, nicht ihre!) aus ihrem Verließ und trug sie die Treppe runter in den Garten. Als wir unten waren, war es schon passiert. Im Garten grub sie dann noch die nächste Blume aus, während ich schnell unter die Dusche sprang.

Im Schlafzimmer fing das Theater dann wieder von vorn an. Angesichts der Vorgeschichte war ich allerdings schon zermürbt und der Hund durfte mit ins Bett. Damit war sie dann sofort einverstanden und legte sich über meinen Hals. Mir war inzwischen alles ganz egal und ich fiel augenblicklich ins Koma.

Seit diesem Moment schlief Karla in unserem Bett. Nein, eigentlich nur in meinem. Das auf dem Hals liegen habe ich ihr dann doch abgewöhnt, als sie die 20 kg überschritten hat. Das hat dann sogar Karla eingesehen. Seitdem schlief sie in meiner Kniebeuge. Ich musste also abends schon genau überlegen, wie ich schlafen wollte, weil umdrehen gestattete meine Bettgenossin mir nur widerwillig.

Alle paar Monate muss ich auch mal beruflich über Nacht wegbleiben. D. h. Karla hatte das Bett dann für sich alleine. Das möchte sie aber nicht. Also wollte sie zu Thorsten. Der ist aber lange nicht so leidensfähig wie ich. Als Kompromiss bot er ihr an, neben ihm zu schlafen. Tja, Karla war eine Alpha-Hündin. Kompromisse lagen ihr fern. Also boxte sie mit ihrem dicken Schädel gegen seinen Rücken. Thorsten als gelernter Ostfriese ist stur und ignorierte sie. Karla stand hinter ihm und boxte weiter. Nach 20 Minuten und mehreren blauen Flecken hatte sie gewonnen. Thorsten hob die Bettdecke und ließ sie drunter krabbeln. Das fand Elli höchst doof, es war ja schließlich ihr Herrchen. Karla brummte ca. 2 Sekunden, Elli war überzeugt doch lieber auf dem Sofa zu übernachten. Na also, geht doch!!!

 

Elli sollte ja ihre IPO 1 machen in Oldenburg machen. Geschlafen haben wir im Zelt auf dem Hundeplatz (vielen Dank nochmal an alle Oldenburger für ihre Gastfreundschaft!!). Und zwar auf ziemlich schmalen Feldbetten. Tja, wie’s ausging, hätten wir uns ja denken können: Karla hielt nun gar nichts davon, auf dem Boden zu schlafen. Sie quetschte sich tatsächlich noch mit auf mein Feldbett und zu allem Überfluss in meinen Schlafsack. Ich konnte nur regungslos auf dem Rücken liegen und dem Regen zuhören……

 

Schutzdienst mit Karla

Karlas Schutzdienst ist eine Geschichte mit vielen Missverständnissen. Einerseits haben wir sie  missverstanden, weil wir Menschen der Meinung waren, wir könnten Karla manipulieren und zum zuverlässigen beißen in etwas, was man nicht essen kann überreden. Andererseits war Karla nach wie vor der Meinung, Bellen allein im Schutzdienst reicht. Bellen tat sie nämlich gerne und viel, ganz untypisch füreinen Boxer. Sie bellte, wenn jemand kam, den sie mochte, sie bellte, wenn jemand kam den sie nicht mochte, sie bellte andere Hunde an, sie bellte, wenn sie raus will, sie bellte, wenn sie Hunger hat (und das eigentlich immer), sie bellte, wenn sie etwas ungerecht empfindet (eigentlich auch immer) und sie bellte, wenn ihr einfach nichts besseres einfiel. Und als echte Italienerin im Sopran und durchdringend laut.

Karlas erste Berührung mit Schutzdienst fand angebunden an einen Pflock im Sommer statt. Neben anderen Junghunden sollte sie Beutetrieb auf einen Lederlappen entwickeln. Das einzige, was Karla entwickelte war ein Buddeltrieb. Als die Kuhle groß genug war (und das ging schnell, sie war ja erst 3 Monate alt), kuschelte sie sich ein und schlief. Schussfest war sie damals schon, alles Peitschengeknalle weckte sie nicht auf.

Weil mir mein Baby in der Grube mit der Peitsche vor sich die Tränen in die Augen trieb (ja, bei meinem Hund bin ich Mimöschen), beendete ich sowohl diesen Schutzdienst als auch das Training mit dem Schutzdiensthelfer. Man muss halt Prioritäten setzen.

Wir wechselten den Hundeplatz und Karla lernte tatsächlich, in den Lederlappen zu beißen und richtig festzuhalten. Es war gar kein Problem, sie mitsamt Lappen in die Höhe zu halten und dort ein paar Minuten hängen zu lassen. Da war sie echt schmerzbefreit. Wir waren sehr stolz auf unser Mäuschen und so kam es zum nächsten Missverständnis: Wir dachten, wir hätten den Superschutzhund und das Beißen wäre auf andere Gegenstände wie Ärmel oder so etwas übertragbar.

Schließlich war es so weit: Karla sollte in das Beißkissen beißen. Der Helfer machte wie immer den Affentanz vor ihr, das Kissen auf dem Rücken. Karla bellte natürlich, Helfer holte das Kissen nach vorne, Karla stutzte, setzte sich hin, betrachtete das Kissen (Helfer tanzt weiter), guckte sich um und sah den Lappen über den Zaun hängen. Sie lief zum Zaun, zog den Lappen runter und rannte zum Helfer….

Das war der Anfang vom Ende Karlas Schutzdienst. Ich denke, sie hat  nur in Lederlappen gebissen, weil es annähernd etwas wohlschmeckend Leckeres ist. Jute stand einfach nicht auf Ihrem Speiseplan.

 

Karlas Kommunikation

Ich habe ja schon geschrieben, dass Karla viel bellte. Sie tat es gern und aus völliger Überzeugung. Und sie konnte so verschieden bellen, wie wir Menschen reden.

Wenn sie einen fremden Hund in der Nähre ihres Einzugsbereich entdeckte, bellte sie hoch und hysterisch mit überschlagender Stimme. Wenn sie im Schutzdienst mal wieder nichts anderes machte, als irgend wen anzubellen (ob der jetzt einen Ärmel hat oder nur zufällig im Wege steht) machte sie es akzentuiert, jedes Bellen einzeln mit relativ tiefer Stimme. Wenn sie vor einem saß, man etwas ess- oder fressbares in der Hand hatte, legte sie einem die Pfote auf den Oberschenkel und bellte einschmeichelnd bettelnd, wenn man darauf nicht reagiert steigerte sich das Bellen auf eine sehr fordernde Variante.

Wenn sie nicht bellen durfte, hatte sie noch verschiedene andere Laute im Repertoire.

Falls sich ein fremder Hund wagte, an unserem Haus vorbei zugehen (und das wagten leider jede Menge Hunde) und man verbot ihr das Bellen, dann quitschte sie. Anders kann ich es nicht beschreiben. Es war eine Mischung zwischen Winseln und Protestheulen.

Wir leben noch in einer Gegend mit Feuersirenen. Im Zusammenhang mit dem Probealarm der Sirenen jeden Samstag mittag zeigte Karla ihre lächerlichste Lautäußerung: Sie versuchte, mitzuheulen.

Sie machte das durchaus dramatisch, sprang auf den Tisch auf der Terrasse und warf den Kopf dermaßen in den Nacken, dass man das Genick im Geiste schon knacken hörte. Leider kam ihr dabei kaum ein anständiger Ton über die Lefzen.  

 

Karla hat aber für den Notfall auch einen Vibrationsalarm. Der kommt dann in extremen Situationen zum Einsatz. Z. B. saß Karla neben mir auf dem Sofa, Thorsten aß irgendetwas und stellte den fast leeren Teller auf den Sofatisch. Karla ließ diesen Teller nicht aus den Augen. Zufällig kam Alf vorbei und setzte sich quasi neben den Teller. Dann ging er los, der Vibrationsalarm. Sie wusste natürlich, das Bellen jetzt verboten wäre und auch Knurren mit Anschnauzer geahndet würde. Aber ihre Wut brach sich durch Ganzkörperzittern Bahn und hörte erst auf, als ich den Teller in den Geschirrspüler stellte.

Unter den Mädels hatte sich übrigens ein vielstimmiges Knurren als  Kommunikationsinstrument entwickelt. Das Brummen hieß so viel wie „geh weg, jetzt kuschele ich mit Herrchen“ oder „jetzt liege ich hier“ und wurde von beiden auch genauso akzeptiert.

 

Karla und die Zuchtschauen – zwei Welten treffen aufeinander

Karla war in unseren Augen (na ja, vor allem in meinen Augen) der schönste Boxer der Welt, absolut fehlerfrei. Nun war ich zwar verliebt, aber nicht naiv: Das solche Neulinge wie wir gleich einen Blumentopf gewinnen würden, hielten wir nicht für wahrscheinlich.

Aber weil‘s halt dazu gehörte und Karla eigentlich auch mal Zuchthündin werden sollte, haben wir sie gleich mit 9 Monaten zur Zuchtschau in Peine gemeldet. Am Vorabend musste Karla noch mal in die Badewanne und wurde auf Hochglanz geputzt – was sie komplett überflüssig fand. Deshalb schaffte sie es auch gleich am nächsten Morgen beim ersten Pipi machen, sich brusttief in unseren Garten einzugraben. Man muss dazu sagen, dass Karla ganz entzückende weiße Söckchen hatte – normalerweise. An diesem Morgen halt nicht. Die wunderschöne Weißzeichnung war ebenfalls höchstens noch zu erahnen.

In einer Katzenwäsche haben wir dann versucht den schweren Lehmboden aus ihrem Fell zu kratzen. Feuchter Lehm auf weißen Boxerhaaren ergibt übrigens einen interessanten Orangeton…

Der Boxerplatz in Peine war uns ja nicht fremd und so haben wir es tatsächlich geschafft, ohne weitere Zwischenfälle oder Kleinkatastrophen pünktlich zur gelben Jugendklasse dort einzutreffen. Null Ahnung wie ich hatte, pappte ich mir die Nummer irgendwo auf den Körper und betrat einfach mal so den Ausstellungsring. Natürlich alles falsch und wir wurden auf unseren Platz gestellt. Karla benahm sich wirklich ganz gut. Jedenfalls für ihre Verhältnisse. Sie zeigte dem Richter gern ihre Augen und weil sie der Meinung war, der Richter wäre vielleicht etwas kurzsichtig, sprang sie ihm entgegen und knutschte ihn, als er sich unvorsichtigerweise über sie beugte. Beim Stellen hatte sie leider auch etwas falsch verstanden: Sie saß. Und zwar geduldig. Irgendwie haben wir sie dann doch noch mal zum Stehen überredet. Zähne zeigen und laufen waren dann zur Abwechselung wirklich kein Problem. Jedenfalls für sie – Thorsten versprach dem Richter ein Bier, wenn er mich ein paar Runden länger laufen lassen würde. Vier Hunde waren es in dieser Klasse und ich freute mich schon, dass es wohl auf jeden Fall einen Pokal geben würde. Zu meiner Überraschung war es der Größte. Wir waren begeistert, gaben eine Runde aus und wollten gerade den Hund in den Anhänger packen und nach Hause fahren….. Gott sei Dank hat sich dann jemand uns erbarmt und etwas von Siegerring und Klubsiegeranwartschaft erzählt.

Karla fand das Warten nicht nur unnötig und langweilig sondern auch körperlich anstrengend. In der Wartezeit brachte sie sich deshalb kurzentschlossen bei, Menschen auf den Arm zu springen. Sie war da nicht wählerisch und versuchte es auch bei Wildfremden, was zu einigen überraschten Gesichtern führte…. Aber sich auf den kalten Boden zu legen, war echt nicht ihr Ding.

Mit etwas Anleitung des damaligen Vorsitzenden unserer Gruppe wusste ich dann auch, was mich in diesem Siegerring erwarten würde und er versprach, Karla vorschriftmäßig zu locken. Dann war es soweit: Mit gefühlten 1000 anderen Hunden stand ich in dem kleinen Ring und versuchte, ein schlaues Gesicht zu machen. Thorsten und unser Mentor standen am Rand und schlossen eine Wette ab, ob Karla Bier mögen würde. Während des Stellens probierten sie es auch gleich aus und ließen Karla ununterbrochen Bier aus der Hand trinken… super. Ich wünschte mich in ein Erdloch.

 

Ich weiß nicht, ob es am Bier lag, aber Karla gewann die Klubsiegeranwartschaft und wurde die schönste Junghündin, sozusagen Miss Peine. Wir wurden sogar mit dem schönsten Jungrüden für ein Zeitungsfoto genötigt. Da hockten wir neben unseren Hunden und da wohl kein Weitwinkel vorhanden war, sollten wir noch etwas zusammenrücken. Das haperte aber an dem feigen Rüden neben uns. Der traute sich einfach nicht näher. Vielleicht lag es an Karlas gezückten Zähnchen und dem Vibrationsalarm…..

Wir hätten Karlas Ausstellungskarriere damit beenden sollen.

Kommentar verfassen